Beteiligungsprojekte
Beteiligung von Kindern und Jugendlichen an Entscheidungsprozessen: hier werden oft Kinder- und Jugendparlamente genannt. An dieser Stelle einen Diskurs über Grenzen und Möglichkeiten zu führen, ist aus Platzgründen nicht möglich. Nur soviel: Beteiligung von Kindern und Jugendlichen muss Folgen haben. Sie darf nicht als Alibi für Kinderfreundlichkeit oder für die (politische) Profilierung Erwachsener missbraucht werden. Ernsthaftes Nachdenken über Beteiligung von Kindern und Jugendlichen verlangt, deren Denkweisen, Handlungs- und Ausdrucksformen wahrzunehmen und zu akzeptieren. Kindern und Jugendlichen müssen Kompetenzen und Befugnisse zugebilligt werden: z.B. Beschlussrecht über einen eigenen Etat, Antrags und Stimmrecht im Jugendhilfeausschuss oder im Stadtrat. Gibt es die Bereitschaft, Kindern und Jugendlichen ein Recht auf Information in allen Angelegenheiten einzuräumen, die sie betreffen? Hat das Kinder- und Jugendparlament verbindliche Zugänge zu kommunalen und politischen Entscheidungsebenen. Letzteres bedeutet bei ernsthafter Umsetzung eine Änderung der Kommunalverfassung, sonst sind die Kinder und Jugendlichen immer vom (sicher zuweilen begrenzt) guten Willen anderer abhängig.
Eine Demokratisierung des Kinderalltags muss in den Köpfen der Erwachsenen beginnen, sich im konkreten Handeln wiederfinden und Kindern glaubhaft Mitsprache ermöglichen. Beteiligung und Mitsprache von Kindern ist sinnvoll, wenn es einen Bezug zu konkreten Lebenswirklichkeit von Kindern gibt und die sozialen sowie intellektuellen Leistungsmöglichkeiten altersgemäß berücksichtigt werden. Kinder sind Experten, in ihren konkreten Lebensumfeld, die oft nicht gehört werden. Wir haben uns im Kinderbüro der Stadt Weimar für eine projektbezogene Beteiligung von Kindern entschieden.
Thesen zur Beteiligung von Kindern und Jugendlichen
Unter dem Begriff “Beteiligung“ sind komplexe Sachverhalte in mehreren Denk- und Handlungsebenen zu sehen.
Beteiligung braucht ein bestimmtes Bild vom Kind.
Beteiligungsprozesse brauchen ein bestimmtes Verständnis für Kinder. Grundlage der Arbeit, die „Philosophie“, ist ein Bild vom Kind als eine eigenständige Persönlichkeit. Kinder sind nicht Objekt unserer Bemühungen, sondern Individuen, mit denen wir partnerschaftlich umgehen. In der UN-Kinderrechtskonvention ist die soziale, rechtliche, politische und wirtschaftliche Stellung von Kindern erstmals fest geschrieben worden. Das ist Maßstab unseres Handelns.
Beteiligung heißt auch “teilen“.
Macht und Einfluss teilen, Kinder und Jugendliche ernst nehmen. Jeder, der in irgendeiner Weise im Arbeitsfeld “Kinder“ tätig ist, weiß um die inflationäre Handhabung dieses Begriffes zwischen Modernisierungsfalle, Alibi und Notwendigkeit, d.h. dem ernsthaften Bemühen, das Expertenwissen der Kinder und Jugendlichen zu nutzen.
Beteiligung fängt in den Köpfen der Erwachsenen an.
Beteiligung von Kindern und Jugendlichen braucht Bedingungen, die von Erwachsenen geschaffen und toleriert werden: Möglichkeiten sich zu artikulieren und gehört zu werden; den Willen, die Sprache und Ausdrucksweise der Kinder zu verstehen; die Zeit, Kinder anzuhören...
Beteiligungsprojekte verbinden Menschen aus unterschiedlichen „Systemen“, die man kennen und verstehen muss. Ohne Partner geht nichts.
Lehrer, Architekten, Politiker, Planer, Eltern ... und natürlich Kinder und Jugendliche gehören verschiedenen Lebens- und Arbeitsfeldern an. Sie haben verschiedene Ausdrucksweisen, Fachsprachen und Denk- und Handlungsweisen. Auch sind sie unterschiedlichen Regeln und Zwängen unterworfen: ein Lehrer denkt in Bildungs- und Schulordnungskategorien, ein Architekt an ästhetisch-funktionelle Gestaltungsziele, ein Sozialarbeiter in pädagogischen Dimensionen, ein Kommunalpolitiker an die Sachzwänge des Sparens, Eltern an die Interessen ihrer Kinder, Kinder artikulieren ihre Bedürfnisse aus ihren Erfahrungen und unmittelbaren Lebenswelten. Beteiligung braucht die Bereitwilligkeit, diese Systeme zu verstehen, zu „übersetzen“ und aufeinander zu zugehen.
Bei Beteilungsprozessen lernen alle Beteiligten
Untersuchungen der Universität Kiel haben ergeben, dass bei Beteiligungsprozessen alle Teilnehmer lernen.
Beteiligungprojekte sind immer gekennzeichnet durch Dialog, Kommunikation und Prozesshaftigkeit.
Beteiligung ist ein kommunikativer Diskussionsprozess, bei dem sich die Partner aufeinander einlassen müssen. Sie erkennen die unterschiedlichen Kompetenzen an und handeln Kompromisse aus.
Beteiligung braucht Geduld und Zeit. Beteiligung ist immer Beziehungsarbeit.
Die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen ist durch Erwachsene mit Fachwissen und Problembewusstsein zu begleiten. Nicht gelungene Beteiligung ist niemals den Kindern und Jugendlichen anzulasten.










